BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Zur Aufhebung des Biotopschutz für den Auwald unterhalb der Camsdorfer Brücke

Bei der Klassifizierung von Biotopen wird in Deutschland auf Stufe 23 (von maximal 24) der Weichholz-Auenwald geführt, sofern er an einem Ort mindestens 40 Jahre besteht. Er gehört zu den wenigen Biotop-Typen, die unter Naturschutz stehen, ohne dass es einer besonderen Ausweisung bedarf. Obwohl dieser Biotoptyp die Saaleaue einstmals geprägt hat, finden wir ihn heute infolge menschlichen Wirkens in Stadt und Land nur noch in wenigen Restbeständen vor. Unterhalb der Camsdorfer Brücke allerdings ist ein kleines Stückchen des durch Weiden geprägten Weichholz-Auenwalds in den vergangenen 70 Jahren wieder neu entstanden. Dafür reichte es aus, das Gebiet sich selbst zu überlassen. Es kann von der Brücke aus betrachtet und als anschaulicher Beleg für die Kraft und Schönheit der Natur auch in direkter Nachbarschaft zum städtischen Trubel gesehen werden.

Jenas Stadtplaner, die Verkehrsbehörde, das Rechtsamt, der Dezernent für Stadtentwicklung und der Oberbürgermeister (alt wie neu) schauen allerdings mit anderen Augen auf das Areal. In dem mit reichlich Aufwand formulierten Antrag auf Aufhebung des gesetzlichen Biotopschutz für den Auwald unterhalb der Camsdorfer Brücke wird er vielmehr zum „atypischen“ Biotop erklärt. Soll heißen: Hierhin, mitten in die Stadt, wo der Platz für Verkehr und Bauten aller Art so dringend gebraucht wird, gehört ein solches Biotop eigentlich nicht und kann damit auch nicht so schutzwürdig sein, wie es im Gesetz steht.

Im Antrag stehen auch zutreffende Gründe, warum ein Radweg unterhalb der Camsdorfer Brücke prinzipiell sinnvoll wäre. Die aktuelle Gefahrensituation beim Queren auf der Fahrbahn ist unbestritten. An manchen Stellen wird dabei freilich auch getrickst, etwa wenn das Unfallgeschehen 50 Meter weiter westlich (Einmündung zum Eisenbahndamm / Am Anger) zur Rechtfertigung des Antrags bemüht wird. Sonst müsste die Verkehrsbehörde ja auch erklären, warum sie hier eine präventive Maßnahme befürwortet, während sie an anderen Stellen erst auf reale Unfälle wartet.

Davon abgesehen drängt sich die Frage auf, warum die Stadt allein auf eine Maßnahme zulasten des Biotopschutz setzt, während die Pläne für eine Ampel-gesicherte Querung auf der anderen Brückenseite (Grüne Tanne) seit 10 Jahren in der Schublade liegen und dort Staub ansetzen. Obwohl in regelmäßigen Abständen der „dringende Handlungsbedarf“ auch an dieser Stelle bestätigt wird. Zudem wäre eine konsequente Verkehrsberuhigung der Karl-Liebknecht-Straße (Tempo 30 auf der ganzen Länge, Tempo 20 im Brückenbereich) ein noch deutlich umfassenderer Ansatz für eine verbesserte Sicherheit des Rad- und Fußverkehrs. In der jüngsten Formulierung der Antragsbegründung wird die Verkehrsberuhigung nun für nicht vereinbar mit den verkehrspolitischen Zielen der Stadt erklärt. Im Klartext: Man möchte lieber weiter dem Phantom des auch in den Hauptzeiten flüssigen Autoverkehrs nachjagen.

Dass sich nach langem Widerstreben nun auch der Fachdienst Umwelt der Stadt Jena in seiner Rolle als Naturschutzbehörde und der halbe Naturschutzbeirat dieser Argumentation gebeugt haben, ist aus Sicht des Bund für Umwelt und Naturschutz ausgesprochen bedauerlich. Das Ergebnis widerspiegelt die aktuellen Kräfteverhältnisse und Prioritäten in der Stadt Jena des Jahres 2019. Die „Fridays for Nature“ sind leider noch nicht gestartet.


 

 

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Quelle: http://jena.bund.net/themen_und_projekte/